Adrian Sirghita LL.M.

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Ratgeber Fachsprachenprüfung

Viele meiner ärztlichen Mandanten fürchten sich geradezu vor der neuen Fachsprachenprüfung.

 

Als Hilfestellung habe ich in dem nachfolgenden "Ratgeber Fachsprachenprüfung" einige praktische Infos und Tipps zusammengestellt.

 

 

Was ist die Fachsprachenprüfung?

Ende 2014 haben die zuständigen Bundesländer damit begonnen, die Fachsprachenprüfung einzuführen. Jedoch haben noch nicht alle Bundesländer die Einführung umgesetzt, wie z.B. Sachsen oder Bayern (Stand: Januar 2016). Zum aktuellen Stand schauen Sie sich bitte meine Übersicht an:

Fachsprachenprüfung in Ihrem Bundesland?
Meiner Übersicht können Sie auf einen Blick entnehmen, wie die einzelnen Bundesländer die medizinischen Fachsprachenkenntnisse überprüfen.
16-06-01 - Anlagen Antrag Approbation.pd[...]
PDF-Dokument [60.8 KB]

Lassen Sie sich nicht von den unterschiedlichen Bezeichnungen, die von Bundesland zu Bundesland variieren, in die Irre führen:

 

Fachsprachenprüfung, Fachsprachprüfung, Deutschfachsprachprüfung, Deutsch-Sprachtest, Sprachtest "Patientenkommunikation", Patientenkommunikationstest.

 

Im Kern ist es immer die gleiche Prüfung. Zu den Unterschieden später mehr.

Wer muss die Fachsprachenprüfung ablegen?

Grundsätzlich müssen alle Ärzte, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die nicht an einer deutschen Universität Medizin studiert haben, nachweisen, dass sie über die erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. Bislang war in fast allen Bundesländern die Vorlage eines B2-Zertifikats ausreichend. Es existieren einige wenige Ausnahmen, wann keine Fachsprachenprüfung abgelegt werden muss, auf die ich mangels Relevanz hier nicht weiter eingehen möchte.

Was wird geprüft?

Geprüft wird, ob der ausländische Arzt über Fachsprachenkenntnisse im berufsspezifischen Kontext verfügt. Die Kenntnisse orientieren sich dabei am Sprachniveau C1.

 

Die Fachsprachenprüfung ist eine Einzelprüfung und praxisnah gestaltet. Mindestens zwei ärztliche Prüfer stellen die Prüfungskommission. Es wird eine Gesprächs- und Dokumentationssituation aus dem Krankenhausalltag simuliert.

 

Die Prüfung besteht aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil:

Zunächst muss der Prüfling einen standardisierten Aufklärungsbogen lesen und verstehen. Danach führt der Prüfling zur Anamnese ein Arzt-Patienten-Gespräch durch. Daran schließt sich ein Aufklärungsgespräch an. Als nächstes kommt das Arzt-Arzt-Gespräch, in dem der Prüfling einem anderen Arzt den Patienten vorstellt. Es ist die Krankheitsgeschichte zu erläutern und eine Verdachtsdiagnose aufzustellen.

 

Im schriftlichen Teil hat der Prüfling eine Zusammenfassung des Falls in Form eines Arztbriefs anzufertigen.

 

Das medizinische Fachwissen wird hierbei nicht überprüft. Entscheidend für die Bewertung sind die fachsprachlichen Aspekte. Der Prüfling erfährt sein Ergebnis sofort nach der Prüfung.

 

Nach unterschiedlichen Presseberichten läge die Durchfallquote zwischen 33 % und 40 %. Die Fachsprachenprüfung kann beliebig oft wiederholt werden. Die Prüfungsgebühr von ca. 300 - 350 Euro muss dann aber erneut gezahlt werden.

Was ist der Unterschied zwischen der Fachsprachenprüfung und dem Patientenkommunikationstest (PKT)?

Der Patientenkommunikationstest (PKT) ist eine eigenständige Prüfungsform, die Vorbild war für die später erschienene Fachsprachenprüfung. Der PKT wird von der Freiburg International Academy durchgeführt. Thüringen und Hessen lassen sich die medizinischen Fachsprachenkenntnisse durch den PKT nachweisen.

 

In Baden-Württemberg nimmt ab dem 1.10.2015 die jeweilige Bezirksärztekammer die Fachsprachenprüfung ab und nicht mehr die Freiburg International Academy. Der PKT wird dort nicht mehr akzeptiert.

 

Gibt es nun einen Unterschied zwischen PKT und Fachsprachenprüfung? Vom Inhalt und der Dauer her eigentlich nicht, aber die Prüfungen unterscheiden sich im zeitlichen Ablauf:

Fachsprachenprüfung

 

Patientenkommunikationstest

(PKT)

Vorbereitung:

Lesen eines standardisierten Aufklärungsbogens (30 Minuten)

 

1. Mündliche Prüfung (40 Minuten)

 

Arzt-Patienten-Gespräch:

 

Der Prüfling führt mit einem simulierten Patienten ein problemorientiertes Anamnesegespräch durch. Er stellt eine mögliche Verdachtsdiagnose auf. Abschließend führt der Prüfling mit einem Patienten ein Aufklärungsgespräch zum zuvor gelesenen Aufklärungsbogen durch.

 

Arzt-Arzt-Gespräch:

 

Es findet eine Patientenvorstellung an einen ärztlichen Kollegen statt. Der Prüfungskandidat gibt die Krankheitsgeschichte des simulierten Patienten gegenüber einem Prüfer wieder und stellt Verdachtsdiagnose sowie weitere therapeutische Schritte dar. Gegenfragen von Seiten des Prüfers sind möglich.

 

2. Schriftliche Prüfung (20 Minuten)

 

Der Prüfling fertigt eine Zusammenfassung des Falls aus der mündlichen Prüfung im Sinnes eines Arztbriefs für den weiterbehandelnden Arzt an.

 

Quelle: Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern

Prüfungsteil 1 (Arzt-Patienten-Kommunikation / Hörverstehen / 25 Minuten)

 

Der Prüfling hört ein Anamnesegespräch und muss anschließend dieses Gespräch schriftlich dokumentieren.

 

Prüfungsteil 2 (Arzt-Arzt-Kommunikation / Schreiben von Kurzarztbrief / 30 Minuten)

 

Anhand von Arztnotizen über Patientendaten verfasst der Prüfung einen Kurzarztbrief.

 

Prüfungsteil 3 (Arzt-Arzt-Kommunikation / Patientenvorstellung / 20 Minuten)

 

In einem simulierten direkten Gespräch mit einem Oberarzt soll der Prüfling zeigen, dass er eine kurze Zusammenfassung der Beschwerden angemessen und korrekt geben kann.

 

Prüfungsteil 4 (Arzt-Patienten-Kommunikation / Patientenaufklärung / 20 Minuten)


Auf der Basis eines standardisierten Aufklärungsbogens soll der Prüfling zeigen, dass er ein Aufklärungsgespräch  angemessen und korrekt führen kann.

 

Quelle: Freiburg International Academy

Sind Kenntnisprüfung bzw. Eignungsprüfung und Fachsprachenprüfung das Gleiche?

Die Kenntnisprüfung bzw. die Eignungsprüfung und die Fachsprachenprüfung sind völlig unterschiedliche Prüfungen. Doch was sind die Kenntnisprüfung und die Eignungsprüfung eigentlich?

 

Arztdiplome, die außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes und der Schweiz (= Drittländer) erworben wurden, werden in Deutschland zunächst einer Gleichwertigkeitsprüfung unterzogen. Stellt die Behörde fest, dass signifikante Unterschiede zwischen der ärztlichen Ausbildung des Herkunftslandes und der ärztlichen Ausbildung in Deutschland bestehen, kann sie auf das Ablegen einer Prüfung (Kenntnisprüfung) bestehen, sofern die Unterschiede in der Ausbildung nicht durch einschlägige Berufserfahrung ausgeglichen werden können.

 

Die Kenntnisprüfung bezieht sich auf den Inhalt des deutschen Studiums. Der ausländische Arzt muss nachweisen, dass er über das gleiche Wissen verfügt, das von einheimischen Absolventen medizinischer Hochschulen verlangt wird. Der Schwerpunkt der Prüfung liegt auf den Fächern Innere Medizin und Chirurgie. Die Fragestellungen sollen ergänzend folgende Aspekte berücksichtigen: Notfallmedizin, Klinische Pharmakologie /Pharmakotherapie, Bildgebende Verfahren, Strahlenschutz, Rechtsfragen der ärztlichen Berufsausübung. Zusätzlich kann die Behörde im Vorfeld der Prüfung ein Fach oder einen Querschnittsbereich als prüfungsrelevant festlegen, indem sie wesentliche Unterschiede zwischen der ärztlichen Ausbildung in Deutschland und der Ausbildung des Antragstellers festgestellt hat.

 

Die Kenntnisprüfung ist eine mündlich-praktische Prüfung mit Patientenvorstellung und dauert zwischen 60 und 90 Minuten.

 

Umstritten ist, wie oft die Kenntnisprüfung wiederholt werden darf. Oft liest man, dass die Kenntnisprüfung nur dreimal wiederholt werden darf. Diese Einschränkung hat aber keine rechtliche Grundlage. In der Bundesärzteordnung findet sich eine solche Einschränkung nicht. Aktuelle Rechtsprechung (siehe Rn. 29) geht ebenfalls davon aus, dass man die Kenntnisprüfung beliebig oft wiederholen darf.

 

Quelle: Marburger Bund

 

Die Eignungsprüfung hingegen betrifft nur Ärzte mit Diplom aus der EU bzw. dem EWR und Ärzte mit Drittland-Diplom, die aber eine Approbation aus einem anderen EU-Staat haben und mindestens 3 Jahre Berufspraxis als Arzt in diesem EU-Staat. Auch hier wird im ersten Schritt die Gleichwertigkeit geprüft. Werden wesentliche Unterschiede festgestellt, die nicht mit Berufserfahrung ausgeglichen werden können, müssen Sie eine Eignungsprüfung ablegen.

 

Der Unterschied zur Kenntnisprüfung ist, dass sich die Eignungsprüfung nur auf die festgestellten Defizite bezieht.Die Eignungsprüfung kommt in der Praxis relativ selten vor, weil Ärzte aus dem EU-Ausland ihre ärztliche Ausbildung fast immer automatisch anerkennen lassen können. Eine Personengruppe, die davon relativ häufig betroffen ist, sind Ärzte aus Mittel- und Südamerika mit einer Approbation und genug Berufspraxis aus Spanien.

 

Vereinfacht zusammengefasst heißt das, dass bei der Kenntnisprüfung und der Eignungsprüfung Ihr medizinisches Wissen und bei der Fachsprachenprüfung "nur" Ihre medizinischen Deutschkenntnisse geprüft wird. Doch eines sollte klar sein: Wer schlechte medizinische Deutschkenntnisse hat, wird erhebliche Schwierigkeiten haben, die Kenntnisprüfung oder die Eignungsprüfung zu bestehen!

 

In Abhängigkeit davon, in welchem Bundesland Sie Berufserlaubnis und/oder Approbation beantragen, kann es sein, dass Sie beide Prüfungen machen müssen, nur eine oder sogar keine. Einige Beispiele, wenn Sie ein Drittland-Diplom haben (Stand: Januar 2016):

 

  • Beantragen Sie nur eine Berufserlaubnis in Bayern oder Sachsen: Keine der beiden Prüfungen.
     
  • Beantragen Sie die Approbation in Bayern oder Sachsen: Kenntnisprüfung (wenn Sie fehlende Gleichwertigkeit nicht mit Berufserfahrung ausgleichen können), aber keine Fachsprachenprüfung.
     
  • Beantragen Sie die Approbation in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen oder NRW, müssen Sie (wenn Sie die fehlende Gleichwertigkeit nicht mit Berufserfahrung ausgleichen können) beide Prüfungen machen.

Wie kann ich mich auf die Prüfung vorbereiten?

Prüfungsvorbereitungskurse werden zum Beispiel angeboten von:

 

  1. Start-Relocation Service in Berlin
     
  2. Goethe-Institut, bundesweit
     
  3. Deutsch für Ärzte in Göttingen
     
  4. Freiburg International Academy
     
  5. Medisim - Institut für medizinische Fortbildung in Köln
     
  6. Arzt und Sprache - Sprachtraining für medizinische Fachkräfte in Berlin
     
  7. Doctors Abroad in Heidelberg

 

Wer sich im Selbststudium vorbereiten will, findet zum Beispiel hier hilfreiche Informationen:

  1. Interkulturelle medizinische Kommunikation in Europa
     
  2. telc Deutsch B2-C1 Medizin

 

Hilfreich sind auch Erfahrungsberichte von ausländischen Ärzten, die die Fachsprachenprüfung bestanden haben. Eine kleine Sammlung von Berichten meiner Mandanten finden Sie in meinem Blog.

Jutta Schindler

Wenn Sie Interesse an einer intensiveren Prüfungsvorbereitung haben, empfehle ich Ihnen, mit Frau Jutta Schindler Kontakt aufzunehmen (juttaschindler@t-online.de).

 

Frau Schindler ist 

  • Lehrkraft im Fachbereich Pflege/Medizin (Aus- und Fortbilderin),

  • Lehrkraft, Prüferin und Autorin im Fachbereich Deutsch/DaF/DaZ (Goethe, telc B2-C1 Medizin, TestDaF, DSH),

  • Zertifizierte Aussprachetrainerin und

  • Zertifizierte Sprachlernberaterin.

Sie bietet sowohl Unterricht "Face-to-Face" als auch per Skype an.
 

 
Haftungsausschluss: Diese verkürzte Zusammenfassung wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Sie ersetzt aber keine individuelle Rechtsberatung. Für Vollständigkeit und Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen. Die genannten Beispiele sind keine abschließende Aufzählung. Sie sollen einen ersten Überblick vermitteln und bewerten nicht die Qualität des Kurses oder des Angebots.
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