Adrian Sirghita LL.M.

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Ratgeber Approbationsantrag (Seite 1)

Ihr Antrag auf Approbation als Arzt in Deutschland ist sehr wahrscheinlich einer der wichtigsten Ihres Lebens. Fehler sollten möglichst vermieden werden.

 

Das, was einen Approbationsantrag so aufwendig macht, sind die Anlagen. Es lohnt sich also, hier besonders sorgfältig und aufmerksam zu arbeiten.

 

Unterschätzen Sie nicht den Zeitaufwand, bis Sie alle Anlagen in der richtigen Form zusammen haben. Rechnen Sie mit mindestens 6 Wochen Vorbereitungszeit. Fangen Sie daher rechtzeitig mit dem Zusammenstellen der Anlagen an! Achten Sie aber gleichzeitig darauf, dass es einige Anlagen gibt, die im Zeitpunkt der Antragstellung nicht älter sein dürfen als drei bzw. einen Monat.

 

Zunächst erläutere ich die allgemeinen Anforderungen an einen perfekten Approbationsantrag und gebe wertvolle Praxistipps.

Prolog: Verschaffen Sie sich einen Überblick!

Bevor Sie loslaufen und Unterlagen besorgen, verschaffen Sie sich erst einmal einen Überblick über das, was Sie brauchen und das, was Sie nicht brauchen.

Prüfen Sie anhand meiner Übersicht als allererstes, ob Sie für Ihre Unterlagen eine Legalisation oder Apostille brauchen. Haben Sie in einem Drittland Medizin studiert, wird zumindest für die Hochschulzeugnisse grundsätzlich immer Legalisation oder Apostille gefordert. Informieren Sie sich als nächstes auf der Homepage des Auswärtigen Amtes in Berlin, wie und wo Sie sich die Legalisation oder Apostille beschaffen können.
 
Insgesamt stelle ich fest, dass die Anforderungen der Approbationsbehörden an die Echtheitsprüfung strenger werden. Selbst wenn Sie legalisierte Unterlagen haben, kann die Approbationsbehörde ergänzend zur Deutschen Botschaft Ihres Heimatlandes zur erneuten Prüfung schicken. Damit verlieren Sie wertvolle Zeit und Geld.
 
In der Rubrik Links finden Sie die Approbationsbehörden aller Bundesländer. In den Antragsformularen finden Sie die allermeisten Informationen, die Sie am Anfang brauchen.

1. Lebenslauf, unterschrieben und lückenlos

Einen Lebenslauf sollten Sie eigentlich bereits geschrieben haben. Falls nicht und Sie sich nicht lange mit Formatierung aufhalten wollen, nutzen Sie den Online-Lebenslauf von EuropassDer Lebenslauf muss lückenlos sein und sollte - wie zum Beispiel in Brandenburg - auch ein Foto von Ihnen enthalten.

 

Praxistipp: Waren Sie eine Zeit lang arbeitslos oder krank, dann schreiben Sie das hin, aber lassen Sie keine Lücken, jedenfalls keine, die länger sind als 3 Monate, damit das Prüfungsamt keine vermeidbaren Nachfragen stellt. Achten Sie besonders sorgfältig darauf, dass die Angaben aus Ihrem Lebenslauf exakt zu Ihren Zeugnissen passen.

 

Am wichtigsten ist, dass man Ihrem Lebenslauf den Verlauf Ihrer Ausbildung und Ihre Berufserfahrung entnehmen kann. Nennen Sie aber auch zum Beispiel die Fortbildungen oder medizinischen Kongresse, an denen Sie aktiv teilgenommen haben. Wenn Sie in einem Drittland studiert haben, kann das im Rahmen der Gleichwertigkeitsprüfung von Vorteil sein.

 

Wenn Sie den Lebenslauf fertig haben, speichern Sie ihn als Word-Dokument ab und löschen Sie in der Kopf- und Fußzeile das Europass-Logo. Zu guter Letzt sollten Sie Ihren Lebenslauf mit Datum und Unterschrift versehen, fertig!

2. Nachweise über Prüfungen (Zeugnisse, Diplome)

Als nächstes an der Reihe sind Ihre Universitätsdiplome. Neben dem eigentlichen Diplom brauchen Sie auch den sogenannten Stundennachweis in Form des Zeugnisbeiblatts. Dem Stundennachweis bzw. dem Zeugnisbeiblatt müssen die einzelnen Stunden Ihres Studiums zu entnehmen sein.

 

Die allerwichtigste Voraussetzung, damit Sie Ihre Approbation bekommen, ist, dass Sie über eine abgeschlossene ärztliche Ausbildung verfügen. In manchen Ländern müssen Sie noch eine zusätzliche Abgeschlossenheitsbescheinigung beschaffen, weil aus Ihrem Hochschuldiplom nicht hervorgeht, dass Sie mit Beendigung Ihres Studiums auch Ihre ärztliche Ausbildung abgeschlossen haben. Das ist nämlich nicht in allen Ländern mit Abschluss der Hochschule der Fall.

 

Haben Sie in der EU studiert, können Sie unter Umständen noch die sogenannte Konformitätsbescheinigung beschaffen. Diese wird von der höchsten Landesbehörde ausgestellt, also in der Regel vom Gesundheitsministerium. Die Konformitätsbescheinigung sagt aus, dass Ihre ausländische Ausbildung mit der deutschen konform ist, also gleichgestellt ist. Die Konformitätsbescheinigung ermöglicht die automatische Anerkennung innerhalb der EU und ist daher besonders wichtig! 

3. Identitätsnachweis (Reisepass, Personalausweis) und ggf. Heiratsurkunde

Als Nachweis zu Ihrer Person und Ihrer Staatsangehörigkeit müssen Sie Ihren Reisepass oder Personalausweis vorlegen, in manchen Bundesländern auch Ihre Geburtsurkunde.

 

Sind Sie verheiratet, haben Sie noch Ihre Heiratsurkunde vorzulegen, jedenfalls dann, wenn Sie nach Abschluss Ihres Studiums geheiratet haben, die Nachnamen auf Ihrem Ausweis und den Zeugnissen sich folglich unterscheiden.

4. Nachweis der Kenntnis der deutschen Sprache (B2/C1 und Fachsprachenprüfung)

Hier darf ich auf meinen Ratgeber Fachsprachenprüfung verweisen.

 

Ergänzen möchte ich noch, dass das B2-Zertifikat von einer "anerkannten Sprachschule" ausgestellt sein muss. Eine Sprachschule gilt nur dann als anerkannt, wenn sie berechtigt ist, Prüfungen nach dem "Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen" abzunehmen.

 

Bevor Sie sich zu einem Sprachkurs oder einer Prüfung anmelden, fragen Sie vorsichtshalber noch einmal nach, ob die Schule wirklich "anerkannt" ist. Bei Goethe-Institut oder telc können Sie sicher sein, dass es später keine Probleme gibt.

5. Unbedenklichkeitsbescheinigung / Certificate of Good Standing / Certificate of Professional Status / Leumundszeugnis

Diese Bescheinigung wird von den Behörden jener Länder ausgestellt, wo Sie bislang als Arzt gearbeitet haben, z.B. von der zuständigen Ärztekammer. In der Regel reicht es aus, wenn Sie die Bescheinigung jenes Landes vorlegen, in dem Sie zuletzt als Arzt gearbeitet haben.

 

Die Bescheinigung muss Angaben darüber enthalten, dass Sie den Arztberuf ausüben dürfen und gegen Sie keine berufsrechtlichen Maßnahmen getroffen worden sind.

 

Inhaltlich gibt es für die Unbedenklichkeitsbescheinigung keine feste Vorgabe. Sinngemäß muss dort beispielsweise folgendes stehen:

 

"Gegen Dr. Mustermann wurden im Laufe seiner Tätigkeit keine Disziplinarmaßnahmen oder Sanktionen anderer Art verhängt, die die Ausübung des Arztberufs einschränken würden."

 

Praxistipp: Die Unbedenklichkeitsbescheinigung darf im Zeitpunkt der Approbationserteilung nicht älter sein als drei Monate! Kümmern Sie sich um die Unbedenklichkeitsbescheinigung also so spät wie möglich.

 

Sollte sich die zuständige Stelle im Ausland - aus welchen Gründen auch immer - weigern, Ihnen die Unbedenklichkeitsbescheinigung auszustellen, so kann auch die Approbationsbehörde die Bescheinigung direkt im Ausland anfordern (jedenfalls innerhalb der EU). Sollte auch das erfolglos bleiben, können Sie unter gewissen Umständen mithilfe einer eidesstattlichen Versicherung die Unbedenklichkeitsbescheinigung ersetzen.

6. Ärztliche Bescheinigung / Ärztliches Attest

Lassen Sie sich von einem Arzt darauf untersuchen, ob Sie in gesundheitlicher Hinsicht zur Ausübung des ärztlichen Berufs geeignet sind. Der untersuchende Arzt muss die Bescheinigung unterschreiben und stempeln. Vordrucke stelle ich Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung.

 

Praxistipp: Die Anforderungen an die ärztliche Bescheinigung variieren sehr stark zwischen den einzelnen Bundesländer. In manchen Bundesländern darf die Bescheinigung nicht älter als 3, in manchen nicht älter als ein Monat sein. Manchmal muss es ein deutscher Arzt sein, in anderen Fällen ist auch ein Arzt aus dem EU-Ausland zulässig. Verschaffen Sie sich einen Überblick auf meiner oben stehenden Übersicht.

Wollen Sie auf Nummer Sicher gehen, besorgen Sie sich die ärztliche Bescheinigung von einem deutschen Arzt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich manche Hausärzte bzw. Allgemeinmediziner schwer tun mit der Ausstellung der Bescheinigung. Um ganz sicher zu gehen, suchen Sie sich bitte einen Arbeitsmediziner oder gehen zum Betriebsarzt Ihres Krankenhauses; die wissen auf jeden Fall, was zu tun ist!

7. Amtliches Führungszeugnis

Wohnen Sie bereits über 3 Monate in Deutschland, können Sie Ihr amtliches Führungszeugnis in Deutschland beantragen. Gehen Sie zu dem Einwohnermeldeamt, wo Sie gemeldet sind, und fragen Sie nach einem amtlichen oder behördlichen Führungszeugnis (Belegart 0). Das Führungszeugnis wird direkt an die zuständige Approbationsbehörde geschickt. Daher müssen Sie beim Einwohnermeldeamt die Approbationsbehörde mit Anschrift und Aktenzeichen angeben.

 

Wohnen Sie noch nicht so lange in Deutschland, müssen Sie ein Führungszeugnis in Ihrem Heimatland beantragen.

 

Das Führungszeugnis darf im Zeitpunkt der Approbationserteilung nicht älter als 3 Monate sein.

8. Nachweis über die erworbene Berufserfahrung

Haben Sie Ihr Medizinstudium in der EU abgeschlossen und sind im Besitz einer Konformitätsbescheinigung, sind Nachweise über Ihre Berufserfahrung für den Approbationsantrag eigentlich nicht erforderlich. Bedenken Sie jedoch, dass der Approbationsantrag nur der erste Schritt ist. Sobald Sie Ihre Approbation haben, sollten Sie Ihre Facharztweiterbildungszeiten aus dem Ausland bei der Ärztekammer anerkennen lassen. Als Nachweise für Ihre Berufserfahrung gelten z.B. qualifizierte Arbeitszeugnisse, Empfehlungsschreiben, OP-Kataloge, Arbeitsbücher, etc.

 

Besonders wichtig ist der Nachweis über die erworbene Berufserfahrung jedoch immer dann, wenn Sie Ihren Abschluss in einem Drittland gemacht haben. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. USA) müssen Sie davon ausgehen, dass Ihr Drittlandabschluss grundsätzlich nicht mit einer ärztlichen Ausbildung in Deutschland gleichwertig ist. Was viele ausländische Drittland-Ärzte aber nicht wissen, ist, dass sie diese fehlende Gleichwertigkeit mit Berufserfahrung ausgleichen können. Diese Möglichkeit ist in § 3 Abs. 2 S. 5 Bundesärzteordnung geregelt.

 

Die Betonung liegt jedoch auf dem Wort "Nachweis". Um eine fehlende Gleichwertigkeit durch Berufserfahrung ausgleichen zu können, müssen Sie es schaffen, Ihre Berufserfahrung so detailliert und genau wie möglich nachzuweisen. Salopp gesagt, müssen Sie der Approbationsbehörde genug "Munition" geben, um überhaupt inhaltlich prüfen zu können, ob Ihre Berufserfahrung für den Ausgleich reicht oder nicht. Die Anforderungen sind sehr hoch:

 

  • Das qualifizierte Arbeitszeugnis muss die ausgeübten Tätigkeiten und die Fallzahlen zwingend beschreiben und auch sonst detailliert, schlüssig, hinreichend substantiiert und nachvollziehbar sein.
     
  • Die Berufserfahrung muss sich auf die bestehenden Lücken im Ausbildungsstand beziehen.
     
  • Hilfreich ist eine abschließende Bewertung, ob Ihre Arbeit von Ihren Patienten und Ihrem Arbeitgeber beanstandet wurde (oder eben gelobt!).

 

Gelingt Ihnen der Nachweis Ihrer Berufserfahrung nicht und wird die fehlende Gleichwertigkeit verbindlich festgestellt, müssen Sie die Kenntnisprüfung ablegen. Wenn Sie über genügend Berufserfahrung verfügen (grober Richtwert ist > 3 bzw. 5 Jahre), am besten noch in Kombination mit einer abschlossenen Facharztweiterbildung im Ausland, dann sollten Sie alles in Ihrer Macht stehende tun, um die entsprechenden Nachweise zu beschaffen und der Kenntnisprüfung zu entgehen.

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